Die Organisation hinter der Behandlung
Eine Arztpraxis oder eine Zahnarztpraxis ist auch ein Betrieb mit Personal, Dienstplänen, Lieferanten, Geräten und einer Abrechnung, an der der Umsatz hängt. In kleinen Praxen erledigt das die Inhaberin nebenbei oder die erfahrenste Fachangestellte zusätzlich. In größeren Praxen, in Berufsausübungsgemeinschaften und in Medizinischen Versorgungszentren gibt es dafür eigene Stellen, und die stehen in diesem Fachbereich.
Zwei Schwerpunkte lassen sich unterscheiden. Die Praxisleitung verantwortet Personal, Abläufe und Organisation: Dienstpläne, Urlaubsplanung, Einarbeitung neuer Kolleginnen, Ausbildung, Bestellwesen, Wartung der Geräte, Datenschutz und Hygieneorganisation. Die Abrechnung sorgt dafür, dass erbrachte Leistungen vollständig und regelkonform abgerechnet werden.
Abrechnung: vier Regelwerke
Wer abrechnet, arbeitet mit Gebührenordnungen, die sich je nach Praxis und Versicherung unterscheiden. In der Arztpraxis gilt für gesetzlich Versicherte der Einheitliche Bewertungsmaßstab, abgerechnet wird über die Kassenärztliche Vereinigung, meist zum Quartalsende. Für Privatpatienten gilt die Gebührenordnung für Ärzte. In der Zahnarztpraxis heißen die Gegenstücke BEMA und GOZ, dazu kommen Heil- und Kostenpläne für Zahnersatz und die Abrechnung der Laborleistungen.
Stellenanzeigen nennen deshalb fast immer, welches Regelwerk gefragt ist. Ein Wechsel zwischen ärztlicher und zahnärztlicher Abrechnung ist möglich, braucht aber Einarbeitung. Gefragt sind außerdem Kenntnisse im Praxisverwaltungssystem, mit dem die Praxis arbeitet.
Wege in diese Stellen
Ein eigener Ausbildungsberuf existiert nicht. Fast alle, die hier arbeiten, haben eine Ausbildung als Medizinische oder Zahnmedizinische Fachangestellte und darauf eine Aufstiegsfortbildung gesetzt. Für die ärztliche Seite bieten die Ärztekammern die Fortbildung zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung an, für die zahnärztliche Seite die Zahnärztekammern die Zahnmedizinische Verwaltungsassistentin. Daneben gibt es Lehrgänge privater Anbieter zur Praxismanagerin, deren Inhalte und Anerkennung sich stark unterscheiden.
Quereinsteigerinnen aus kaufmännischen Berufen finden vor allem in großen Versorgungszentren und in Abrechnungsabteilungen Stellen. Ohne Praxiserfahrung bleibt dort aber eine Lücke, denn Abrechnung setzt voraus, dass man versteht, was am Patienten tatsächlich gemacht wurde.
Was die Arbeit prägt
Die Arbeit ist vorwiegend am Schreibtisch, mit klaren Spitzen: Quartalsende in der Arztpraxis, Prüfanfragen und Widersprüche von Kassen und Versicherten, Einführung neuer Software. Dazu kommt die Digitalisierung der Versorgung mit elektronischer Patientenakte, elektronischem Rezept und elektronischer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die viel Organisation in den Praxen verlangt. Vertraglich vorgeschrieben ist außerdem ein Qualitätsmanagement, dessen Pflege oft bei der Praxisleitung liegt.
Weil diese Stellen Führungsaufgaben enthalten, ist der Rollenwechsel das häufigste Problem: Wer gestern Kollegin war, ist heute Vorgesetzte. Gute Praxen klären vorher, welche Entscheidungen die Praxisleitung allein trifft.
Vor der Bewerbung
Sinnvolle Fragen sind die Zahl der Behandler und Beschäftigten, die Verteilung zwischen Leitung und eigener Arbeit am Patienten und die Frage, ob es eine Vertretung für die Abrechnung gibt. Aktuelle Stellen zeigt die Trefferliste zum Stichwort Praxismanager.