Dentalhygienikerin
Dentalhygienikerinnen übernehmen in der Zahnarztpraxis die Prävention und die nichtchirurgische Parodontitistherapie im Auftrag der Zahnärztin oder des Zahnarztes. Der Weg führt meist über die ZFA-Ausbildung und eine Aufstiegsfortbildung der Zahnärztekammer.
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Was der Beruf zahlt
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.000 € | 3.400 € | 3.900 € | 40.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.300 € | 3.800 € | 4.400 € | 45.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.700 € | 4.200 € | 5.000 € | 50.400 € |
Die meisten Zahnarztpraxen sind nicht tarifgebunden, das Gehalt wird frei verhandelt und hängt stark von Region, Praxisgröße und dem Anteil an Prophylaxe- und Parodontitisleistungen ab; der Gehaltstarifvertrag für Zahnmedizinische Fachangestellte gilt nur in wenigen Kammerbereichen und nur bei Tarifbindung oder Verweis im Arbeitsvertrag. An Universitätszahnkliniken gilt in der Regel der TV-L, bei konfessionellen Trägern kirchliche Arbeitsvertragsrichtlinien, und manche Praxen zahlen umsatzabhängige Prämien.
Orientierungswerte, keine amtliche Statistik: abgeleitet aus veröffentlichten Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen, nicht selbst gemessen. Wo ein Tarifvertrag gilt, ist er die genauere Quelle. Wo keiner gilt, entscheiden Praxis oder Träger, Region, Zusatzqualifikationen und das Gespräch – und die Spanne ist dann breiter, als drei Zeilen zeigen können.
Jahresbrutto = 12 × Monatswert, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld und ohne Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Notdienste – die hängen am Arbeitgeber und am Dienstplan.
Der Beruf im Alltag
Was macht eine Dentalhygienikerin?
Die Dentalhygienikerin (DH) arbeitet fast ausschließlich am Patienten, meist in einem eigenen Prophylaxezimmer. Im Mittelpunkt stehen Erwachsene mit Parodontitis oder erhöhtem Risiko dafür. Sie erhebt Befunde wie Sondierungstiefen, Blutungs- und Plaqueindizes, entfernt harte und weiche Beläge über und unter dem Zahnfleischrand, glättet Wurzeloberflächen im geschlossenen Vorgehen und betreut Patienten in der unterstützenden Parodontitistherapie über Jahre hinweg. Hinzu kommen die Nachsorge von Implantaten, Mundhygieneinstruktion, Ernährungs- und Rauchstoppberatung, Fluoridierung und Fissurenversiegelung. Sie dokumentiert die Befunde, plant Recallintervalle und bespricht Auffälligkeiten mit der Zahnärztin. Diagnose und Therapieentscheidung bleiben beim Zahnarzt. Die DH arbeitet auf dessen Anordnung und unter seiner Verantwortung, weil die Ausübung der Zahnheilkunde in Deutschland Zahnärzten vorbehalten ist und nur einzelne Leistungen delegiert werden dürfen.
Wie wird man Dentalhygienikerin?
Der übliche Weg ist eine Aufstiegsfortbildung, die von den Landeszahnärztekammern geregelt und geprüft wird. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte nach Berufsbildungsgesetz, dazu Berufserfahrung und in der Regel eine vorangegangene Fortbildung zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP) oder Fachassistentin (ZMF). Die Fortbildung zur DH findet meist berufsbegleitend statt und dauert je nach Kammer und Kursmodell etwa ein bis zwei Jahre; sie endet mit einer Prüfung vor der Kammer. Daneben bieten einige Hochschulen Bachelorstudiengänge in Dentalhygiene an, teils dual oder berufsbegleitend. Ein eigenes Berufsgesetz mit staatlicher Prüfung gibt es nicht, die Bezeichnung ist an den Kammerabschluss oder den Studienabschluss gebunden.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist feinmotorisch anspruchsvoll und körperlich einseitig. Stundenlanges Sitzen in vorgebeugter Haltung belastet Nacken, Schultern und Handgelenke; Ergonomie, Lupenbrille und Ausgleichstraining sind keine Nebensache. Die Termine sind eng getaktet, oft im Stundentakt, und Verspätungen holt man den Tag über kaum auf. Aerosole, Hygienevorschriften und Schutzkleidung gehören zum Alltag. Viele Leistungen der Prophylaxe sind Privat- oder Selbstzahlerleistungen, deshalb erwarten manche Praxen, dass die DH Patienten auch für Folgetermine gewinnt. Wer Gespräche über Mundhygiene ohne Belehrungston führen kann und Geduld mit wenig motivierten Patienten hat, ist im Vorteil. Samstagssprechstunden kommen in einzelnen Praxen vor, Nacht- und Notdienste in der Regel nicht.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und übersteigt das Angebot an Fachkräften deutlich. Die neue Parodontitis-Richtlinie der gesetzlichen Krankenversicherung, eine älter werdende Bevölkerung mit mehr eigenen Zähnen und Implantaten sowie der Ausbau von Prophylaxekonzepten stärken die Position. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Prophylaxeteams, in die Praxisorganisation über eine ZMV-Fortbildung, in die Lehre an Fortbildungsinstituten der Kammern, in die Fachberatung der Dentalindustrie oder über ein Studium in die Wissenschaft. Eine eigene Praxis ist nicht möglich, weil die Tätigkeit an die Delegation durch einen Zahnarzt gebunden ist.
Aufgaben
- Parodontale Befunde wie Sondierungstiefen und Blutungsindizes erheben und dokumentieren
- Supra- und subgingivale Beläge und Konkremente entfernen
- Patienten in der unterstützenden Parodontitistherapie betreuen
- Professionelle Zahnreinigung und Implantatnachsorge durchführen
- Mundhygiene anleiten und zu Ernährung und Rauchen beraten
- Fluoridierungen und Fissurenversiegelungen vornehmen
- Recallintervalle planen und Befunde mit der Zahnärztin besprechen
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte
- Mehrjährige Berufserfahrung und meist Fortbildung zur ZMP oder ZMF
- Bestandene Fortbildungsprüfung der Zahnärztekammer oder Bachelor in Dentalhygiene
- Aktuelle Kenntnisse im Strahlenschutz
- Sichere Feinmotorik und belastbarer Rücken
- Gesprächsführung und Geduld in der Patientenberatung
Arbeitsorte
- Zahnarztpraxen mit Prophylaxeschwerpunkt
- Parodontologische und implantologische Fachpraxen
- Zahnmedizinische Versorgungszentren
- Universitätszahnkliniken
- Fortbildungsinstitute der Zahnärztekammern
- Dentalindustrie
Ausbildung und Weg hinein
Nach der dreijährigen Ausbildung zur ZFA und einigen Jahren Berufserfahrung folgt meist die Fortbildung zur ZMP und darauf die berufsbegleitende Aufstiegsfortbildung zur DH, die je nach Kammer etwa ein bis zwei Jahre dauert und mit einer Kammerprüfung endet. Alternativ bieten einige Hochschulen einen Bachelorstudiengang Dentalhygiene an.
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