Physiotherapeut Krankengymnastik
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten behandeln Menschen mit Bewegungs- und Funktionsstörungen, vor allem mit Krankengymnastik, Manueller Therapie und Übungsprogrammen, meist auf ärztliche Verordnung. Die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt und löste 1994 den früheren Titel Krankengymnast ab.
24 offene Stellen für diesen Beruf, Stand heute.
Was der Beruf zahlt
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.500 € | 2.800 € | 3.200 € | 33.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.900 € | 3.250 € | 3.700 € | 39.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.300 € | 3.700 € | 4.400 € | 44.400 € |
Am stärksten hängt das Gehalt vom Arbeitgeber ab: Kliniken im öffentlichen Dienst zahlen nach TVöD oder TV-L, konfessionelle Träger nach kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien, während Praxen meist nicht tarifgebunden sind und das Gehalt an den mit den Krankenkassen abrechenbaren Vergütungssätzen und der Zahl der Behandlungen hängt. Zertifikate wie Manuelle Therapie oder Lymphdrainage und eine Leitungsfunktion verbessern die Verhandlungsposition spürbar.
Orientierungswerte, keine amtliche Statistik: abgeleitet aus veröffentlichten Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen, nicht selbst gemessen. Wo ein Tarifvertrag gilt, ist er die genauere Quelle. Wo keiner gilt, entscheiden Praxis oder Träger, Region, Zusatzqualifikationen und das Gespräch – und die Spanne ist dann breiter, als drei Zeilen zeigen können.
Jahresbrutto = 12 × Monatswert, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld und ohne Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Notdienste – die hängen am Arbeitgeber und am Dienstplan.
Der Beruf im Alltag
Was macht ein Physiotherapeut in der Krankengymnastik?
Im Mittelpunkt steht die Krankengymnastik, in der Heilmittelverordnung kurz KG genannt: gezielte Übungen, Mobilisation von Gelenken, Kräftigung, Dehnung sowie Gang- und Gleichgewichtstraining. Behandelt werden Menschen nach Operationen und Unfällen, mit Rücken- und Gelenkbeschwerden, neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Parkinson, Atemwegserkrankungen oder Entwicklungsstörungen bei Kindern. Zu jeder Behandlung gehören Befund, Therapieplanung, Anleitung zu Übungen für zu Hause und eine knappe Dokumentation. In der ambulanten Praxis ist eine Behandlungseinheit eng getaktet, oft folgen die Patienten im Abstand von etwa 20 bis 30 Minuten aufeinander. In Kliniken und Reha-Einrichtungen kommen Gruppentherapie, Frühmobilisation auf Station und die Abstimmung mit Ärzten, Pflege und Ergotherapie hinzu. Hausbesuche bei immobilen Patienten und in Pflegeheimen gehören in vielen Praxen zum Alltag.
Wie wird man Physiotherapeut?
Der übliche Weg ist die dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie, die mit einer staatlichen Prüfung endet. Rechtsgrundlage ist das Masseur- und Physiotherapeutengesetz; wer die Berufsbezeichnung führen will, braucht die Erlaubnis der zuständigen Landesbehörde. An privaten Schulen wurde lange Schulgeld erhoben, inzwischen haben viele Bundesländer es ganz oder teilweise abgeschafft oder übernehmen es. Daneben gibt es primärqualifizierende und ausbildungsbegleitende Bachelorstudiengänge. Masseure und medizinische Bademeister können über eine verkürzte Ausbildung wechseln. Wichtig für den Berufsalltag sind die Zertifikatsfortbildungen, etwa Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, gerätegestützte Krankengymnastik oder neurophysiologische Verfahren nach Bobath, PNF oder Vojta, denn nur mit ihnen dürfen diese Leistungen gegenüber den Krankenkassen abgerechnet werden.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich fordernd: viel Stehen, Arbeiten in vorgebeugter Haltung, Heben und Stützen von Patienten. Ebenso wichtig sind Geduld und die Fähigkeit, Menschen zu motivieren, die Schmerzen haben oder deren Fortschritte langsam sind. Praxen öffnen häufig früh morgens und bis in den Abend, Arbeit in Randzeiten und teilweise am Samstag ist verbreitet, in Kliniken kommen vereinzelt Wochenenddienste hinzu. Der Takt der Termine lässt wenig Puffer, Dokumentation und Verordnungsprüfung laufen nebenher. Viele Beschäftigte empfinden den Abstand zwischen Verantwortung und Verdienst als belastend; teure Fortbildungen werden oft nur teilweise vom Arbeitgeber getragen.
Aussichten
Physiotherapeuten werden bundesweit gesucht, Praxen und Kliniken haben vielerorts Mühe, Stellen zu besetzen. Die alternde Bevölkerung und mehr ambulante Operationen halten die Nachfrage hoch. Mit der Blankoverordnung, bei der Therapeuten für bestimmte Diagnosen Art und Menge der Behandlung selbst festlegen, wächst die fachliche Eigenverantwortung. Entwicklungswege führen über Spezialisierungen in Neurologie, Pädiatrie, Sport- oder Lymphtherapie, in die fachliche Leitung einer Abteilung, in die Lehre an Berufsfachschulen oder über ein Studium in Wissenschaft und Management. Viele machen sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, die für die Abrechnung mit den gesetzlichen Kassen eine Zulassung braucht. Mit der sektoralen Heilpraktikererlaubnis für Physiotherapie ist zudem eine Behandlung ohne ärztliche Verordnung für Selbstzahler möglich.
Aufgaben
- Befund erheben und Bewegungsfunktionen testen
- Behandlungsplan anhand der ärztlichen Verordnung erstellen
- Krankengymnastische Übungen anleiten und Gelenke mobilisieren
- Manuelle Therapie oder Lymphdrainage mit entsprechendem Zertifikat durchführen
- Gang-, Gleichgewichts- und Atemtraining mit Patienten üben
- Heimübungsprogramme erklären und Hilfsmittel einweisen
- Hausbesuche in Wohnungen und Pflegeheimen übernehmen
- Behandlungen dokumentieren und Verordnungen auf Abrechenbarkeit prüfen
Voraussetzungen
- Staatliche Prüfung nach dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz und Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung
- Mittlerer Schulabschluss oder gleichwertige Vorbildung für die Ausbildung
- Körperliche Belastbarkeit, besonders für Rücken und Hände
- Kenntnisse in Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre
- Einfühlungsvermögen, Geduld und klare Anleitung im Gespräch
- Bereitschaft zu kostenpflichtigen Zertifikatsfortbildungen
- Führerschein für Hausbesuche, in vielen Praxen erwartet
Arbeitsorte
- Physiotherapiepraxen
- Akutkliniken und Universitätskliniken
- Rehabilitationskliniken
- Pflegeheime und Hausbesuche
- Sportvereine und Gesundheitszentren
- Einrichtungen der Kinder- und Behindertenhilfe
Ausbildung und Weg hinein
Die Ausbildung dauert drei Jahre an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule und endet mit der staatlichen Prüfung, nach der die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung erteilt wird. Alternativ führen primärqualifizierende oder ausbildungsbegleitende Bachelorstudiengänge in etwa drei bis vier Jahren zum Berufsabschluss. Für abrechenbare Spezialleistungen wie Manuelle Therapie folgen danach Zertifikatsfortbildungen.
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- 4
- Monatsbrutto
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