Physiotherapeut für Hausbesuche
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten für Hausbesuche behandeln Patienten auf ärztliche Verordnung in deren Wohnung, im Pflegeheim oder in Wohngruppen. Sie arbeiten meist mit älteren, bettlägerigen oder neurologisch erkrankten Menschen, die nicht in eine Praxis kommen können.
5 offene Stellen für diesen Beruf, Stand heute.
Was der Beruf zahlt
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.700 € | 3.000 € | 3.400 € | 36.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.000 € | 3.400 € | 3.900 € | 40.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.400 € | 3.800 € | 4.500 € | 45.600 € |
Die meisten Praxen und mobilen Dienste sind nicht tarifgebunden; das Gehalt hängt an den Vergütungssätzen der Krankenkassen, der Zahl der Behandlungen pro Tour, an Zertifikaten und daran, ob Fahrtzeit bezahlt und Dienstwagen oder Kilometergeld gestellt wird. Bei Anstellung an Kliniken oder kommunalen Trägern gelten TVöD oder TV-L, bei konfessionellen Trägern kirchliche Arbeitsvertragsrichtlinien.
Orientierungswerte, keine amtliche Statistik: abgeleitet aus veröffentlichten Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen, nicht selbst gemessen. Wo ein Tarifvertrag gilt, ist er die genauere Quelle. Wo keiner gilt, entscheiden Praxis oder Träger, Region, Zusatzqualifikationen und das Gespräch – und die Spanne ist dann breiter, als drei Zeilen zeigen können.
Jahresbrutto = 12 × Monatswert, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld und ohne Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Notdienste – die hängen am Arbeitgeber und am Dienstplan.
Der Beruf im Alltag
Was macht ein Physiotherapeut für Hausbesuche?
Der Arbeitstag besteht aus einer Tour von Patient zu Patient. Behandelt wird auf Grundlage einer ärztlichen Heilmittelverordnung, auf der der Hausbesuch ausdrücklich vermerkt ist. Typisch sind Menschen nach Schlaganfall, mit Parkinson oder Multipler Sklerose, nach Hüft- oder Knieoperationen, mit Demenz, Sturzrisiko oder in palliativer Versorgung. Die Behandlung umfasst Krankengymnastik, Gang- und Transferübungen, Atemtherapie, Kontrakturprophylaxe, Mobilisation aus dem Bett und häufig manuelle Lymphdrainage. Dazu kommen Gespräche mit Angehörigen und Pflegekräften, Hinweise zu Hilfsmitteln und Wohnraum sowie die Dokumentation, oft digital auf dem Tablet. Gearbeitet wird mit dem, was vor Ort vorhanden ist: Pflegebett, Sessel, Treppe, Rollator. Eine Therapieliege oder Geräte stehen in der Regel nicht zur Verfügung.
Wie wird man Physiotherapeut für Hausbesuche?
Grundlage ist die Ausbildung nach dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz an einer Berufsfachschule. Sie dauert in Vollzeit drei Jahre und endet mit der staatlichen Prüfung. Die Berufsbezeichnung ist geschützt und darf nur mit staatlicher Erlaubnis geführt werden. Daneben gibt es Bachelorstudiengänge, teils ausbildungsintegrierend, teils primärqualifizierend. Eine eigene Ausbildung für Hausbesuche gibt es nicht. Viele Arbeitgeber erwarten Zertifikate wie manuelle Lymphdrainage oder Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage (etwa Bobath oder PNF), weil diese Leistungen im Hausbesuch häufig verordnet werden. Ein Führerschein ist praktisch unverzichtbar. Für Rückkehrer nach einer Pause ist der Hausbesuch ein verbreiteter Wiedereinstieg, weil Touren oft in Teilzeit und mit planbaren Zeiten angeboten werden.
Was der Beruf verlangt
Die körperliche Belastung ist hoch. Pflegebetten sind oft nicht höhenverstellbar, Patienten müssen beim Aufstehen gestützt werden, und es wird viel gebückt gearbeitet. Fahrzeiten, Parkplatzsuche, Treppenhäuser und Wetter kommen hinzu. Ob Fahrtzeit als Arbeitszeit gilt, regeln Arbeitgeber unterschiedlich, und das prägt den Alltag stärker als in der Praxis. Zeitdruck entsteht durch eng getaktete Touren und abgesagte Termine. Man ist überwiegend allein unterwegs, ohne Kollegen für eine schnelle Rücksprache. Belastend sein können auch schwierige häusliche Verhältnisse, Vereinsamung, schwere Krankheitsverläufe und der Tod von Patienten, die man lange begleitet hat. Dafür gelten selten Abend- oder Samstagsdienste, und der Kontakt zu den Patienten ist oft enger als in der Praxis.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt mit der Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen. Viele Praxen können Hausbesuchsverordnungen nicht vollständig bedienen, Wartezeiten sind besonders im ländlichen Raum verbreitet. Entwicklungswege führen über Fortbildungen in Neurologie, Geriatrie oder Lymphologie, in die Leitung eines mobilen Teams oder in die Selbstständigkeit mit eigener Praxis und Kassenzulassung, aus der heraus Hausbesuche angeboten werden. Mit einem Studium sind auch Aufgaben in Lehre, Qualitätsmanagement oder Versorgungsforschung möglich.
Aufgaben
- Patienten nach Heilmittelverordnung in Wohnung oder Pflegeheim behandeln
- Gang-, Gleichgewichts- und Transfertraining durchführen
- Atemtherapie und Kontrakturprophylaxe bei bettlägerigen Patienten anwenden
- Manuelle Lymphdrainage ausführen
- Angehörige und Pflegekräfte zu Lagerung und Hilfsmitteln anleiten
- Tagestour planen und Termine mit Patienten abstimmen
- Behandlungen dokumentieren und Verordnungen prüfen
Voraussetzungen
- Staatliche Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Physiotherapeut
- Führerschein Klasse B
- Zertifikate wie manuelle Lymphdrainage oder Bobath sind häufig gefordert
- Körperliche Belastbarkeit für Arbeit an niedrigen Betten und Transfers
- Selbstständige Arbeitsweise ohne Kollegen vor Ort
- Einfühlungsvermögen im Umgang mit älteren, schwerkranken und demenziell erkrankten Menschen
Arbeitsorte
- Physiotherapiepraxis mit Hausbesuchsdienst
- Mobiler Therapiedienst
- Pflegeheime und Einrichtungen der Eingliederungshilfe
- Privathaushalte der Patienten
- Ambulante Palliativversorgung
Ausbildung und Weg hinein
Üblich ist die dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie mit staatlicher Prüfung nach dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz, alternativ ein Bachelorstudium mit Berufszulassung. Für Hausbesuche kommen Zertifikatsfortbildungen wie manuelle Lymphdrainage oder neurophysiologische Verfahren hinzu, die einige Wochen bis mehrere Monate dauern.
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