Physiotherapeut Neurologie
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Neurologie behandeln Menschen mit Erkrankungen und Verletzungen des Nervensystems, etwa nach Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose und Parkinson. Ziel ist, Bewegung, Gleichgewicht und Selbstständigkeit im Alltag wiederherzustellen oder zu erhalten.
2 offene Stellen für diesen Beruf, Stand heute.
Was der Beruf zahlt
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.700 € | 3.000 € | 3.400 € | 36.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.000 € | 3.400 € | 3.900 € | 40.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.500 € | 3.900 € | 4.600 € | 46.800 € |
Am stärksten zählt der Arbeitgeber: Kommunale und Universitätskliniken zahlen nach TVöD oder TV-L, konfessionelle Träger nach AVR von Caritas oder Diakonie, private Reha-Konzerne oft nach Haustarif, während Praxen meist nicht tarifgebunden sind und das Gehalt von den Kassensätzen und der Zahl der Behandlungen abhängt. Ein Bobath-, PNF- oder Vojta-Zertifikat verbessert die Verhandlungsposition, weil es höher vergütete Leistungen abrechenbar macht.
Orientierungswerte, keine amtliche Statistik: abgeleitet aus veröffentlichten Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen, nicht selbst gemessen. Wo ein Tarifvertrag gilt, ist er die genauere Quelle. Wo keiner gilt, entscheiden Praxis oder Träger, Region, Zusatzqualifikationen und das Gespräch – und die Spanne ist dann breiter, als drei Zeilen zeigen können.
Jahresbrutto = 12 × Monatswert, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld und ohne Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Notdienste – die hängen am Arbeitgeber und am Dienstplan.
Der Beruf im Alltag
Was macht ein Physiotherapeut in der Neurologie?
Im Mittelpunkt stehen Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, Querschnittlähmung oder Polyneuropathie. Die Therapeutin erhebt einen Befund zu Muskeltonus, Gleichgewicht, Gangbild und Alltagsfunktionen. Daraus leitet sie Behandlungsziele ab und arbeitet mit Konzepten wie Bobath, PNF oder Vojta. Dazu gehören Transfers vom Bett in den Rollstuhl üben, Rumpfstabilität aufbauen, Spastik regulieren, Gangtraining am Barren oder auf dem Laufband und das Anpassen von Hilfsmitteln. In der Frührehabilitation sind die Patienten oft schwer betroffen, beatmet oder kaum ansprechbar; in der ambulanten Praxis geht es häufiger darum, über Jahre einen Zustand zu stabilisieren. Angehörige werden angeleitet, Verläufe dokumentiert. Gearbeitet wird auf ärztliche Verordnung, im Krankenhaus und in der Reha im Team mit Ergotherapie, Logopädie, Pflege und Ärzten.
Wie wird man Physiotherapeut in der Neurologie?
Grundlage ist der Beruf Physiotherapeut, eine geschützte Berufsbezeichnung nach dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz. Die Ausbildung an einer Berufsfachschule dauert drei Jahre und endet mit der staatlichen Prüfung; danach wird die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung erteilt. Alternativ gibt es Studiengänge, die zum Berufsabschluss führen, sowie berufsbegleitende Bachelorstudiengänge. Die Spezialisierung auf Neurologie erfolgt über Zertifikatsfortbildungen, vor allem in Bobath, PNF oder Vojta. Diese Zertifikate sind Voraussetzung, um die entsprechende Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage mit den Krankenkassen abzurechnen. Für die Arbeit mit Kindern gibt es eigene Kurse. Ein Quereinstieg ohne Physiotherapieabschluss ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich anstrengend: Patienten mit Lähmungen müssen gehalten, umgelagert und beim Gehen gesichert werden, was Rücken und Schultern belastet. Fortschritte kommen oft langsam oder bleiben aus, bei fortschreitenden Erkrankungen geht es um das Bremsen von Verlusten. Das erfordert Geduld und die Fähigkeit, mit Frustration, Wesensveränderungen, Sprachstörungen und Trauer bei Patienten und Angehörigen umzugehen. In Praxen ist die Behandlung eng getaktet, dazu kommen Hausbesuche und Termine in Pflegeheimen mit Fahrzeiten. In Kliniken wird meist tagsüber gearbeitet, einzelne Häuser haben Wochenenddienste. Die Zertifikatskurse kosten Geld und Urlaubstage und werden nicht immer vom Arbeitgeber getragen.
Aussichten
Physiotherapeuten werden bundesweit gesucht, und mit einem älter werdenden Bevölkerungsanteil steigt der Bedarf an neurologischer Behandlung, besonders nach Schlaganfall und bei Parkinson. Ein Bobath- oder Vojta-Zertifikat erhöht die Chancen bei Reha-Kliniken und Praxen deutlich. Entwicklungswege führen zur Leitung einer Therapieabteilung, zur Tätigkeit als Instruktorin für neurologische Konzepte, in die Lehre an Berufsfachschulen oder über ein Studium in Forschung und Wissenschaft. Wer sich selbstständig machen will, kann eine eigene Praxis mit Kassenzulassung gründen; die Zulassung zum sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie erlaubt zusätzlich Behandlungen ohne Verordnung für Selbstzahler.
Aufgaben
- Neurologischen Befund zu Tonus, Gleichgewicht, Gang und Alltagsfunktionen erheben
- Behandlung nach Bobath, PNF oder Vojta durchführen
- Transfers, Rumpfkontrolle und Gehen mit Patienten üben
- Spastik regulieren und Kontrakturen vorbeugen
- Hilfsmittel wie Rollator, Rollstuhl oder Orthesen anpassen und einweisen
- Angehörige und Pflegekräfte im Umgang mit den Patienten anleiten
- Hausbesuche und Behandlungen in Pflegeheimen übernehmen
- Therapieverlauf dokumentieren und mit Ärzten und Team abstimmen
Voraussetzungen
- Staatliche Prüfung und Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Physiotherapeut
- Zertifikat in Bobath, PNF oder Vojta für die Abrechnung neurologischer Krankengymnastik
- Körperliche Belastbarkeit, besonders für Transfers und Gangsicherung
- Geduld und Ausdauer bei langsamen oder ausbleibenden Fortschritten
- Einfühlungsvermögen im Umgang mit Patienten mit Sprach- und Wahrnehmungsstörungen
- Führerschein für Hausbesuche in vielen Praxen
Arbeitsorte
- Neurologische Rehabilitationskliniken
- Akutkrankenhäuser mit Stroke Unit und Frührehabilitation
- Physiotherapiepraxen
- Pflegeheime und Einrichtungen der Eingliederungshilfe
- Sozialpädiatrische Zentren und Frühförderstellen
- Hausbesuche bei Patienten
Ausbildung und Weg hinein
Üblich ist die dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie mit staatlicher Prüfung oder ein Studium, das zum Berufsabschluss führt. Die neurologische Spezialisierung erfolgt danach über berufsbegleitende Zertifikatsfortbildungen wie Bobath, PNF oder Vojta, die sich über mehrere Kurswochen erstrecken.
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- Offene Stellen
- 318
- Monatsbrutto
- 2.600 – 4.400 €